Schutzengel Teil 2

In Husum angekommen, kam ich sofort in die Gynäkologie und wurde untersucht. 

Die Schwester, die währenddessen meine Hand hielt, ging und telefonierte. 
Ich hörte nur: "OP fertig machen, Dr?? Bescheid geben. Wir kommen gleich runter"
Ich schaute die FÄ und fragte, ob es da um mich geht. Sie schloss die Untersuchung ab und 
erklärte mir, ich müsse sofort notoperiert werden, da mein ganzer Bauchraum bereits
 voller Blut ist. Ein Eileiter ist geplatzt. 

Erinnert ihr euch noch an den Moment, als ich diesen unfassbar dollen Schmerz bekam, als ich
 bei Emma im Bett lag? Das war höchstwahrscheinlich der Moment, in dem der Eileiter
 bei mir geplatzt ist. 

Als sie mich dann über alle Risiken und Nebenwirkungen aufklärte, bin ich noch auf dem Stuhl zusammengebrochen. Ich wurde dann auf ein Bett gelegt und Richtung OP-Saal geschoben.
 Auf dem Weg dorthin stand Artjom mit Emma auf dem Arm im Gang. 
Ich fing sofort an zu weinen und habe so eine höllische Angst um mein Leben gehabt. 
Als ich Emma ansah, habe ich darüber nachgedacht wie sehr in den Tag auf Föhr mit ihr genossen habe. Habe ich den Tag so intensiv gelebt, weil ich jetzt sterben muss? 
Ich habe mich so an Artjom festgehalten. Ich wollte die Beiden nicht zurück lassen. 
Was wird aus Emma wenn ich es nicht schaffe? Artjom ist ein toller Papa für Emma. 
Aber das würde ihn sicherlich zu sehr den Boden wegreißen. 

Wenn ich nicht wieder zurück komme, merke ich es nicht. 
Am schlimmsten es doch für die Hinterbliebenen

Als ich für die OP, in gefühlt wenigen Sekunden fertig gemacht wurde, waren meine letzten Worte zum Anästhesisten:
 "Bitte macht alles und holt mich wider zurück. Ich kann meine Emma und Artjom nicht 
alleine lassen."


Kurz nach 6:30 Uhr öffnete ich das erste Mal meine Augen und war total benommen.
 Ich konnte nicht sprechen und auch nicht klar denken. Ich schlief nochmal ein und 
 kurz nach 8 Uhr wurde ich dann wieder wach. Kurz darauf kam dann auch der leitende Oberarzt, 
der mich operierte, die Frauenärztin und eine Schwester. 

"Mensch Frau Lichoded. Das war aber eine sehr knappe Kiste", waren die ersten Worte 
des Oberarztes. 

Es war die richtige Entscheidung, das ich Nachts um 3 notoperiert wurde.
 Ich hatte bereits jede Menge Blut verloren. Hätte man mich nach Hause geschickt oder 
morgens irgendwann operiert, hätte ich es aufgrund des zu hohen Blutverlustes nicht überlebt.
 Der linke Eileiter musste entfernt werden, weil der zu kaputt war, um ihn zu nähen , 
bzw. aufrecht zu erhalten.  
Die gute Nachricht. Auch mit einem einzigen Eileiter kann man noch Kinder bekommen. 

Drei Tage musste ich dann allerdings  noch im Krankenhaus bleiben, da ich dann noch eine 
Blasenentzündung bekam. Wir bekamen ein Familienzimmer für Emma, Artjom und mich. 



So ein Erlebnis regt stark zum umdenken an. In verschiedenen Hinsichten. Ich hätte nie damit 
gerechnet, das mir sowas passiert und ich so schnell Mal erlebe, wie schnell das Leben vorbei 
sein kann. 
Es hat auch lange gedauert, bis ich überhaupt begriffen habe was passiert ist.
 Ich konnte anfangs keine Schwangeren sehen, weil mir sofort die Tränen kamen. 
Der Gedanke, das ich das auch sein könnte, hat mich innerlich zerrissen. 
Mittlerweile kann ich damit gut umgehen. Und auch wenn ich es mir so sehr wünsche wieder
 schwanger zu sein, weiß ich nicht ob ich vom Kopf her dafür bereit wäre.


Wie sagte meine Oma: "Da hast du einen Schutzengel gehabt, der dir eine 
zweites "Leben" geschenkt hat."

 

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